Meta Grgurevič / Impossible Machines
Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien (KM— Graz), Burgring 2
1 Februar 2019 − 2 April 2020

Pressegespräch: 31 Januar 2020, 10.00
Eröffnung: 31 Januar 2020, 18.00

Kuratorin: Simona Vidmar (UGM I Maribor Art Gallery)

Das Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien in Graz (Österreich) und die UGM Maribor Art Gallery (Slowenien) präsentieren in Zusammenarbeit mit der Stiftung Marignoli di Montecorona in Spoleto (Italien) den ersten umfassenden Werksüberblick der Künstlerin Meta Grgurevič, eine der erstaunlichsten slowenischen Künstlerinnen der jüngeren Generation. In ihrer Arbeit untersucht und konstruiert Grgurevič kinetische Systeme und setzt sie zu mehrdimensionalen Settings zusammen. Meta Grgurevič / Impossible Machines ist eine Ausstellung in zwei Teilen, die gleichzeitig in Maribor und Graz stattfindet und die Schlüsselwerke der Künstlerin aus den letzten acht Jahren zeigt.

Grgurevič ist Teil einer bahnbrechenden Generation slowenischer Künstler_innen, die ihr Studium Mitte der 2000er Jahre an der Accademia di Belle Arti in Venedig absolvierte. Von Anfang an trat Grgurevič als Außenseiterin in die Szene ein und trieb den Diskurs zeitgenössischer Kunst in Slowenien in bisher unerforschte Richtungen. Wie viele Kunstschaffende der Gegenwart begreift sie das künstlerische Arbeiten als eine gemeinschaftliche Anstrengung, indem sie mit anderen Künstler_innen kollaboriert, die Performativität als Schlüsselelement des künstlerischen Prozesses einbezieht und ihre Werke als Gesamterlebnisse formt. Gleichzeitig widmet sich Grgurevič einer sehr gründlichen Erforschung von Kunst, die im Bezug zu Technologie und dem Prozess der Materialisierung wissenschaftlicher und künstlerischer Ideen steht, wodurch sie eine Faszination für mechanische Systeme, die Bewegung, Lichteffekte oder Illusionen erzeugen, entwickelte. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Experten aus den Bereichen Elektrotechnik und Mechanik, Musik und Theater zerlegt und dekonstruiert Grgurevič Mechanismen von innen heraus und sucht auf beinahe obsessive Weise nach Perfektion in der Bewegung und der gegenseitigen Abhängigkeit mechanischer Elemente. „Das Studium und die Vorstellung von verschiedenen Mechanismen oder kinetischer Systeme, die Entdeckung ihrer Funktionsweise, die Auswirkungen ihrer Existenz und die Regeln ihres Innenlebens haben mich schon immer gereizt und mich zu unerwarteten Erfahrungen getrieben.“

In den letzten zehn Jahren hat die Künstlerin eine Reihe hochpoetischer, voll funktionsfähiger und an sich unausführbarer Mechanismen entwickelt: „Letatlin“ (2018), ein kleines kinetisches Modell, das mit Hilfe eines alten Plattentellers fliegt; „Triptych Clocks” (2015), eine dreiteilige kinetische Skulptur, die Uhrwerke in resonante Klangobjekte transformiert; „The Levitating Thread” (2013), ein kinetisches Objekt, bei dem zwei Hochgeschwindigkeits-Elektromotoren ein Netz aus Schlingen und Fäden kreieren; oder „13 Mechanical Principles” (2018), eine Kette von dreizehn verschiedenen kinetischen Elementen, die eine mechanische Lösung für eine flüssige Choreografie bildet. Ihre zahlreichen kinetischen Skulpturen sind durch das Prinzip der Rekontextualisierung antiquarischer Erfindungen und altertümlichen Wissens miteinander verbunden, sie funktionieren als Low-Tech-Geräte und fühlen sich der handgemachten Ästhetik verpflichtet. Durch die Einführung in Sound, Video, Licht und Performance setzt die Künstlerin diese mechanischen Objekte in poetisch-kinetische Szenografien um. Die treibende Kraft dieser Installationen ist die Harmonisierung der Bestandteile von mathematisch exakten kinetischen Objekten, ihren Bewegungen, ihrem Klang, ihres Lichts und ihrer Performance. So schafft sie nicht nur einen Rahmen für individuelle kinetische Skulpturen, sondern eine Illusion von Fluidität und Verbundenheit. „Im Laufe der Jahre, in denen ich Kunst gemacht habe, habe ich, basierend auf einer Reflexion über die Zusammenarbeit zwischen Individuen und der Verschmelzung von verschiedenen Entitäten zu einem poetischen Ganzen, begonnen, die Definition eines voll funktionsfähigen Systems als Metapher für mein eigenes System in Bezug auf und Verantwortung gegenüber dem sozialen Umfeld zu verstehen.“

Die eindrucksvollen Installationen von Grgurevič bauen auf der Verbindung des Unvereinbaren auf: Mathematische Ratio, Präzision und Gleichgewicht werden mit ihren scheinbaren Gegenpolen verbunden – dem Unlogischen, dem Imaginären und sogar dem Unverständlichen. In den entstehenden Grenzsituationen begegnet die Künstlerin alltäglichen Ängsten und Optimismus, Gesetzen der Physik und der Utopie. Und es sind die Utopien, welche die Künstlerin mit ihren unzensierten Ideen und Denkweisen immer wieder in ihre Projekte einbezieht, die einen Raum des (sozialen und individuellen) Widerstandes manifestieren. Gemeint ist hier ein subtiler Widerstand – einer, der radikale Vorstellungskraft als Waffe einsetzt und in utopisch-poetischem Geist nach Tagträumen und Unregelmäßigkeiten, aber auch Interkonnektivität und gemeinsamem Verständnis verlangt. Utopie besitzt eine Geste von besonderer Signifikanz für die von einem vorherrschend dystopischen Diskurs geprägte Gegenwart und beschreibt einen Prozess, kein Ziel. Die Kuratorin der Ausstellung, Simona Vidmar (UGM Maribor Art Gallery): „Die Werke von Meta Grgurevič erinnern mit ihren Low-Tech- und sogar archaischen Mechanismen an die ursprüngliche Geste der modernen kinetischen Kunst, als Duchamp daran dachte, ein Fahrradrad so auf einen Hocker zu montieren, weil er es als beruhigend empfand, zu sehen, wie es sich dreht. Metas Maschinen trösten ebenfalls ungemein, erinnern uns an etwas, das wir schon immer wussten und versichern uns, dass die Welt um uns herum so ist, wie wir sie denken. Das ist natürlich reine Utopie.“

Die Ausstellung im Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien in Graz und in der UGM Maribor Art Gallery bietet zu einem frühen Zeitpunkt innerhalb der Karriere von Meta Grgurevič Einblicke in ihre Arbeit. Zu sehen sind ausgewählte Projekte aus dem Zeitraum 2012–19, darunter Produktionen in Kollaborationen mit dem slowenischen Nationalballett-Ensemble, dem Puppentheater Ljubljana, der bildenden Künstlerin und Bühnenbildnerin Urša Vidic, der Pianistin und Komponistin Bowrain (Tine Grgurevič), des bildenden Künstlers Jaša und vielen anderen.

Meta Grgurevič (*1979 Ljubljana, lebt in Ljubljana) schloss 2007 ihr Aufbaustudium in Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Venedig ab. Während ihres Studiums arbeitete sie im Künstlerkollektiv Passaporta mit Jasmina Cibic, Mara Ambrožič und Mary Favaretto zusammen und adressierte die Problematik von Transiträumen. Nach der Auflösung des Kollektivs begann sie eigenständige Projekte zu entwickeln und arbeitete regelmäßig mit Künstler_innen aus verschiedenen Bereichen zusammen.
Die Werke von Meta Grgurevič wurden in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt: Unter anderem im Pavillon Sloweniens auf der 56. Biennale von Venedig (2015) im Rahmen des Projekts UTTER des Künstlers Jaša; auf der 13. Prager Quadrennial of Performance Design and Space (2015), in der Slowenien mit dem Bühnenbild der Ballettaufführung von „Tristan und Isolde“ vertreten war; auf der 30. International Biennial of Graphic Arts (2013), wo sie für ihr Projekt „Mechanical Trinkets / Silver Thread” (2013), das sie zusammen mit der Künstlerin Urša Vidic realisiert hatte, eine besondere Erwähnung der internationalen Jury erhielt; auf der 31. International Biennial of Graphic Arts Ljubljana (2015), wo ihr Projekt „Timekeepers“ (2015) den Publikumspreis erhielt. Im Jahr 2016 war Grgurevič als artist in residence an der Mahler and LeWitt Studios Foundation in den USA. 2017 eröffnete ihr Projekt „Silenzio“ in Koproduktion mit dem Slovene National Theatre Opera und Ballet Ljubljana die 32. International Biennial of Graphic Arts und das neue Ausstellungszentrum Švicarija Creative Center in Ljubljana. Die Künstlerin hat darüber hinaus ihre Arbeiten in Slowenien, Italien, Österreich, Finnland, den USA und anderen Ländern ausgestellt.